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Statement zum Filmtrailer "und morgen die ganze Welt"

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Montag
ab 09:00 Uhr

Statement zum Filmtrailer „Und morgen die ganze Welt“

Am 28. Juli ist auf Youtube der Trailer zum Spielfilm „Und morgen die ganze Welt“, der im Oktober Premiere in Deutschland feiern soll, veröffentlicht worden. Dessen Inhalt schlug bereits hohe Wellen und wir wurden auf diesen von verschiedenen Seiten angesprochen, sodass wir uns gezwungen sehen, ein Statement zu eben diesem Trailer zu verfassen. Hiermit wollen wir verdeutlichen, wieso sich der AKN e.V. und das Projekt31 (P31) ausdrücklich von diesem Trailer distanzieren, welche Vorgeschichte wir mit den Filmschaffenden haben, und Kritik an den gezeigten Inhalten des Trailers äußern. Sie sind nicht nur problematisch für unseren Laden, sondern verbildlichen eine allgemeine Kriminalisierung selbstverwalteter, linker Strukturen.

Vorgeschichte
Vor ca. zwei Jahren standen unangekündigt zwei Personen auf unserem Hof und begutachteten das P31 interessiert von außen. Die beiden Personen wurden von einem Mitglied und Mieter des Projekts angesprochen und stellten sich als Filmschaffende vor, die auf der Suche nach einer geeigneten Location für ihre Produktion sind, welche im linkspolitischen Milieu spielen soll. Sie wurden durch die Räumlichkeiten des P31 geführt und erhielten eine Einführung in die Angebotsstruktur unseres selbstverwalteten Jugend- und Kulturzentrums. Außerdem wurden sie eingeladen, sich auf der Volversammlung als basisdemokratisches Entscheidungsorgan vorzustellen und dem Plenum ihr Vorhaben zu unterbreiten.
Dieser Einladung folgten die beiden, bei denen es sich um zwei maßgeblich am Film „Und morgen die ganze Welt“ Beteiligte handelt, betonten, sich als Teil der „Szene“ zu sehen, sodass wir also keine Bedenken bezüglich der politischen Einstellung der beiden zu haben bräuchten, und unterbreiteten unter anderem grob die damalige Filmidee. Die Produktion sollte als Hauptprotagonistin eine junge Frau* darstellen, welche sich in einem selbstverwalteten Zentrum etabliert, dort politisch organisiert und sich letztendlich durch die Ohnmacht gegen den Rechtsruck in Deutschland auf dem Scheideweg zwischen friedlichem politischem Engagement und militanter Radikalisierung befindet. Letztere sollte vor allem durch die sich anbahnende, jede Heteronorm bedienende Liebesgeschichte mit dem ebenfalls politisch aktiven Alfa dargestellt werden, der Triebkraft der Entscheidung zur Militanz gegen Rechtsextreme ist. Die Figur Alfa wurde uns, wie sein Name bereits andeutet, als Anführer, männliches* Alphatier, geistiger Brandstifter vorgestellt, durch den sie auf die vermeintlich “schiefe Bahn” gerät. Wir stellten uns die Frage, warum eine typisch klischeehafte, heteronormative Liebesgeschichte als Ausganspunkt für das radikale politische Engagement einer jungen Frau dienen muss.
Aufgrund dieser stereotypen Rollenbeschreibungen sowie der nicht absehbaren Konsequenzen für unser real existierendes Projekt als Filmkulisse eines ausgedachten Filmes, entschieden wir uns, den Filmemacher*innen abzusagen. Seitdem haben wir lange nichts von ihnen gehört.

Kritik am Trailer
Bei der Betrachtung des kürzlich veröffentlichten Trailers bestätigten sich unsere damaligen Vorbehalte gegen die Filmproduktion. Etwa ab Mitte des Trailers offenbart sich dieser als der wahrgewordene Traum der Extremismustheorie. Er zeigt zunächst die Vorbereitung friedlicher politischer Proteste gegen rechte Umtriebe, nebenbei Kraft- und Kampftraining der Jugendlichen im Zuge ihrer Radikalisierung in einem selbstverwalteten Zentrum, und mündet in einer Aneinanderreihung zum Teil schwerer Straftaten (Sachbeschädigung, Körperverletzung, Brandstiftung und möglicherweise Sabotage, Diebstahl, Aneignung von Sprengstoff). Ob dieses Narrativ so auch im gesamten Film bedient wird, wissen wir nicht und beziehen unsere inhaltliche Kritik deswegen auch ausschließlich auf den Trailer.
Die beschriebene Darstellung kann als Warnung vor jeglichen selbstverwalteten Jugendstrukturen aufgefasst werden, die nicht durch sozialpädagogisches Personal betreut werden, da sich hier die Möglichkeit der unkontrollierbaren Radikalisierung Jugendlicher ergeben könnte. In Zeiten selbstverwalteter und selbstorganisierter Jugendbewegungen wie Fridays for Future, die sich eigeninitiativ in politische Themen einmischen, Partizipation fordern, vermittelt der Trailer eine Warnung vor diesen Gruppierungen, da eventuell die freiheitlich-demokratische Grundordnung durch sie gefährdet sein könnte. Es kann impliziert werden, dass Eltern darauf achten sollten mit wem sich ihre Kinder abgeben. Zudem wird der parlamentarischen Politik ein Argument durch die gezeigten Bilder gegeben, dass deren bundesweite Vorgehensweise in der Debatte um selbstverwaltete linkspolitische Strukturen, die dieser Zeit wie seit Jahren nicht mehr, akut von Räumungen und Schließungen bedroht sind, bestätigt.
Ein weiterer Punkt unserer Kritik am Trailer bezieht sich auf Erzählstrang zur bereits beschriebenen Beziehung zwischen der Protaginistin und Alfa. Nicht nur mit dem Wissen darüber, das wir aus Gesprächen mit den Filmschaffenden haben, deutet der Trailer auf genau so eine geschlechterstereotyp dargestelle Liebesgeschichte hin, deren Schilderung ja ein entscheidender Grund war, uns gegen den Filmdreh in unseren Räumen des Projekt 31 zu entscheiden.

Gegen die Kriminalisierung unseres Namens
Ungefragt und somit ohne unser Wissen wird die geläufige Abkürzung P31, die wir seit Jahren der Einfachheit halber nutzen, im Trailer, und daraus kann geschlussfolgert werden, auch im späteren Endprodukt verwendet. Der Name ist natürlich nicht geschützt, doch ist uns unerklärlich, wieso in einem fiktiven Film, bei dem Personen mitwirken, die nach eigener Auskunft Bezüge zu linken Kreisen haben, die Abkürzung eines existierenden Ladens ungefragt und unkommentiert genutzt wird, ohne mögliche Konsequenzen zu bedenken. Dies führt zu Assoziationen mit unserem Laden, der wir nach vorausgegangener Kritik am Trailer nicht bedürfen.
Wie vielen andere selbstverwaltete Räume in Deutschland, droht auch unserem P31 das Ende. Das Gelände wurde von einer Investmentfirma aufgekauft, die eine Bebauung mit Eigentumswohnungen plant. Wir befinden uns seit Monaten auf der Suche nach einem neuen geeigneten Objekt, um unsere selbstverwaltete, kulturelle Jugendarbeit an einem anderen Ort nach Mietvertragsende weiterzuführen.
Neben schlechter Publizität, die grundsätzlich durch die Namensnennung für uns entstehen könnte, kann der Umstand erheblichen Schaden für die derzeitige Situation des Projekt31 bedeuten. Unser Ruf könnte durch eine Verbindung mit dem Trailer erheblich in Verruf geraten, was sich wiederum hinderlich auf unsere Suche nach neuen Räumlichkeiten auswirken könnte.
Weiter kann die öffentliche Wahrnehmung des Projekt31 in Nürnberg weiter Schaden tragen, die ohnehin nach der, wie gerichtlich festgestellt wurde, nicht rechtmäßigen Hausdurchsuchung im Februar 2019 gelitten hat. Zudem wird durch den Trailer und den Film jede aktive Person, werden alle Besucher*innen, Sympathisant*innen und Unterstützer*innen als potenzielle Gewalttäter*innen stigmatisiert und kriminalisiert.
Dies können und wollen wir nicht hinnehmen, weshalb wir uns nochmals deutlich vom Trailer zu „Und morgen die ganze Welt“ distanzieren.

Wir haben Gespräche mit den verantwortlichen Personen geführt und fordern sie hiermit noch einmal auf, den Namen des Projekts im Film zu ändern, wie sie es ursprünglich angeboten hatten.

Euer Alternative Kultur Nürnberg e.V. als Trägerverein des Projekt31

Kommentare

Bild des Benutzers Christian
Gespeichert von Christian (nicht überprüft) am Di, 10/20/2020 - 17:53

Trailer "Und morgen die ganze Welt"

Hallo, der Trailer zeigt aber (jetzt?) den Namen P81 und nicht P31.

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